1.18 Alltagsintegrierte Sprachbildung
Bedeutung der Sprache für das Kind
Sprache ermöglicht dem Kind das Begreifen der Welt, dient der Kommunikation und ermöglicht ihm das Denken. Somit öffnet Sprache ihm ein Tor zur Bildung. Sprache ist kein von anderen Bereichen trennbarer Bildungsbereich, sondern zieht sich durch alle anderen Bildungsbereiche. „Ein Wort, das ein Kind nicht kennt, ist ein Gedanke, den es nicht denken kann“ (Maier 2003). Sprache teilt sich auf in verbale und nonverbale Kommunikation, wobei diese bei jüngeren Kindern dominiert. Sie kommunizieren überwiegend durch Mimik und Gestik, auch stille, zurückhaltende Kinder nutzen diese Form der Kommunikation.
Beobachtung und Dokumentation
Grundlage jeder Sprachbildung ist eine frühzeitig einsetzende Beobachtung und Dokumentation der sprachlichen Entwicklung. Wir orientieren uns dabei an §13b KiBiz und der Broschüre Alltagsintegrierte Sprachbildung und Beobachtung im Elementarbereich –Grundlagen für Nordrhein-Westfalen des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen
In unserer Kindertageseinrichtung wird das Verfahren Begleitende alltagsintegrierte Sprachentwicklungsbeobachtung in Kindertageseinrichtungen (BaSiK) angewendet.
Die Dokumentation nach BaSiK erfolgt für jedes Kind einmal im Jahr.
Diese Dokumentation bildet die Basis für die pädagogische Arbeit und wird im Elterngespräch genutzt, insbesondere wenn eine sprachtherapeutische Förderung angestrebt wird.
(Siehe auch Standard 10)
Alltagsintegrierte Sprachbildung und Sprachförderung
Sprachbildung findet in allen Situationen des Kindergartenalltags statt. Das Aufgreifen alltäglicher vom Kind selbstgemachter Erfahrungen bietet vielfältige Sprachanlässe. Kinder entwickeln Freude an Sprache und Sprechen wenn ihre sprachlichen Handlungen in sinnvolle Zusammenhänge gestellt sind und die Themen ihre eigenen Interessen berühren. Alltagsintegrierte Sprachbildung findet bei uns in allen Situationen und pädagogischen Prozessen des Kindergartenalltags statt, denn im aktiven Umgang mit Personen, Gegenständen und Vorgängen in unserer Umwelt erleben und erproben Kinder ihre Sprache. Dieser Verantwortung sind wir uns bewusst und da einige unserer Kinder Sprachauffälligkeiten zeigen, nehmen wir diesen Bildungsbereich besonders ernst. Des Weiteren ist uns eine Dialoghaltung sehr wichtig. Sie gilt nicht nur um Umgang mit Erwachsenen, sondern auch bei Kindern aller Altersstufen. Sprachliche Bildung wird hierbei systematisch in den Kindergartenalltag integriert, sodass alle Kinder davon profitieren können. Hier ist es wichtig zu lernen, den Kindern als Erwachsener nicht vorweg zu greifen, sondern abzuwarten und die Kinder sprechen zu lassen. Für alle Kinder offen zu sein und eine Beziehung anzubieten, scheint uns ebenso unumgänglich. Es ist uns wichtig, dass spontane oder geplante Sprachförderung immer in eine natürliche Sprechsituation eingebettet sind. Geplante Angebote zur Sprachförderung sind unter anderem Bilderbuchbetrachtungen, Rhytmikstunden, Rätsel- und Ratespiele, Lieder, Kreisspiele, Reime, Spiele zur Förderung der Mundmotorik (wie z.B.: pusten, schnalzen, Zungenspiele), Rollenspiele und vieles mehr. Hier beschäftigen sich die Kinder meist in kleinen Gruppen, damit jeder die Möglichkeit hat sich sprachlich zu beteiligen. In der alltagsintegrierten sprachlichen Bildung hat sich der alltägliche Morgenkreis in den Gruppen etabliert. Er ist ein wichtiges gemeinschaftliches Ereignis am Tagesbeginn. Kinder und Erzieherinnen einer Gruppe oder der gesamten Einrichtung kommen zusammen, um sich als Gemeinschaft zu erleben. Dabei ist nicht nur der Morgenkreis selbst ein wichtiges wiederkehrendes Ritual, sondern auch der Ablauf. Typische Elemente unseres Morgenkreises sind: Begrüßung der Kinder (Namensbenennung), Feststellen der Vollständigkeit der Gruppe (Zählen), bzw. des Fehlens einzelner Kinder, Nennen des Wochentages, veranschaulicht durch Bildmaterial der kleinen Raupe Nimmersatt, Besprechen der Aktivitäten des Tages oder der Woche, Gemeinsames Singen. Wir ermutigen die Kinder zur richtigen Aussprache und loben sie. Weiterhin achten wir besonders darauf, dass die Kinder in ganzen Sätzen sprechen, abwarten und andere ausreden lassen, eine angemessene Wortwahl benutzen, ihre Wünsche, Bedürfnisse und Gefühle in Worte fassen und eine freundliche Ausdrucksweise benutzen. Hier sind wir uns auch der Vorbildfunktion der Erwachsenen bewusst.
Rolle der Erzieherin in der Sprachbildung
Durch Fortbildungen sind alle Teammitglieder mit den Grundlagen der sprachlichen Entwicklung des Kindes vertraut und wissen um die Bedeutung der Sprache für das Kind. Die Vorbildfunktion als Sprechender und die Rolle als aktiv Zuhörender bedeutet gerade im Zusammensein mit jüngeren Kindern, durch Beobachtung ihrer Mimik und Gestik mit ihnen zu kommunizieren, ihre Wünsche, Bedürfnisse und Gefühle daraus abzuleiten und ihnen Worte dafür zu geben.
Die Sprache des Kindes wird nicht korrigiert, sondern richtig gespiegelt, gegebenenfalls wird die Aussage des Kindes erweitert oder es werden inhaltlich korrektere Worte eingefügt.
Zusammenarbeit mit Eltern
Sprachbildung ist ein wichtiges gemeinsames Anliegen von Familien und Kita
Daher tauschen wir uns regelmäßig mit den Eltern im Entwicklungsgespräch über die Sprachentwicklung des Kindes aus. Eltern, deren Kinder Unterstützung beim Spracherwerb brauchen, geben wir Anregungen, wie sie ihr Kind auch zu Hause fördern können (Sprachspiele, Fingerspiele, Bilderbücher usw.). Auf Fragen der Eltern bezüglich Spracherwerb oder Sprachproblemen ihrer Kinder gehen wir ein und suchen gemeinsam nach Lösungen. Eltern, deren Kinder Spracherwerbsprobleme zeigen, wird empfohlen, ihr Kind beim Logopäden vorzustellen. Die Videografie ist ein gutes Werkzeug zur Beobachtung, Reflexion und Kommunikation mit Familien bzw. Bezugspersonen in der sprachlichen Bildung.
Erst- und Zweitsprache
Die Erstsprache des Kindes wird wertgeschätzt, denn sie ist ein Teil seiner Identität (Bindung an Familie und Kultur). Die Zweitsprache wird auf die Erstsprache aufgesetzt, d.h. ein Kind, das nicht deutsch als Muttersprache spricht, soll diese nicht unterdrücken, sondern die Zweitsprache personengebunden erlernen. Für unsere Situation bedeutet das, dass die Kinder im Elternhaus weiter ihre Muttersprache festigen und in der Einrichtung deutsch sprechen bzw. die deutsche Sprache erlernen.
Literacy
Der Begriff Literacy umfasst im eingegrenzten Sinn Lese- und Rechtschreibkompetenz.
Die erweiterte Beschreibung beinhaltet alle Erfahrungen in der Erzähl-, Schreib- und Schriftkultur, wie: sprachliche Abstraktionsfähigkeit, Freude am Lesen und am Umgang mit Büchern, sich einlassen auf Schriftsprache und Medienkompetenz.
In unserer pädagogischen Arbeit finden sich folgende Angebote zur Anregung und Erweiterung der Lese- und Rechtschreibkompetenzen wieder: die Buchstaben und Zahlenplakate; die Leseecke; Hörspiele (CD); Reime- und Sprachspiele; Anlaut- und Buchstabenspiele; Piktogramme, Fotos, Plakate und Poster; Tafel; Portfolios der Kinder; Kataloge; wenn angemessen auch Zeitungen. Die zusätzliche Fachkraft für den Bereich Sprache entwickelt gezielte Angebote, um den Kindern auf spielerische Art Buchstaben und Zahlen näher zu bringen z.B. das Buchstabenhaus, in dem Buchstabenstempel, Magnetbuchstaben und Zahlen uvm. vorhanden sind, um Kleingruppenangebote umzusetzen.
Portfolioarbeit
Das Portfolio regt die Kinder an, Sprache einzusetzen und eröffnet ihnen unterschiedliche Möglichkeiten, verbale Sprache und Bild- und Schriftsprache zu erfahren, einzusetzen und zu vertiefen.
Kinderkonferenzen/Gespräche
Regelmäßige Kinderkonferenzen und Gesprächsrunden fördern die Verknüpfungen von Sprache und Denken, verlangen Gesprächskultur sowie das Selbstbewusstsein, eigene Standpunkte sprachlich auszudrücken, aber auch das aktive Zuhören.
Mitgeltende Unterlagen:
MU1 Bundesprogramm ,,Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist"
Quellen:
MFKJKS des Landes NRW: Bildungsgrundsätze für Kinder von 0 bis 10 Jahren in Kinderbetreuung und Schulen im Primarbereich. Freiburg: Herder 2016
Maier, Wolfgang: Deutsch lernen in Kindergarten und Grundschule. Auflage München: Don Bosco 2003.