Inhalt

1.16 Erziehung und Bildung zur kulturellen Aufgeschlossenheit

Kulturelle Bildung und Erziehung

In unserem städtischen Kindergarten ist uns jede Familie - egal aus welchem Hintergrund, welcher Kultur oder Tradition - willkommen. Das Fundament unserer Arbeit ist, dass jedes Kind einzigartig ist.

Wir nehmen das Kind als Individuum an und schenken ihm Liebe und Anerkennung und helfen ihm somit, sich selbstständig in seiner Welt zurechtzufinden und dabei glücklich zu sein.

Unser Kindergarten ist ein öffentlich verantworteter „Ort für Kinder“, der den privat verantworteten Ort der Familie ergänzt und erweitert. Er bildet eine gesellschaftlich geprägte Umgebung, in der Kinder unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Kultur ihren Fragen nach der eigenen Identität und der Identität der anderen nachgehen können. Unser Kindergarten ist ein Ort, an dem Kinder oft zum ersten Mal und in jedem Fall über einen längeren Zeitraum Gemeinschaft mit vielen anderen Kindern unterschiedlicher Herkunft erfahren. Die persönlichkeitsbildende und erkenntnisbildende Qualität dieser Kindergemeinschaft zeichnet unseren Kindergarten aus.

Jedes Kind erfährt in unserer Einrichtung eine vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung, das bedeutet, jedes Kind findet Anerkennung und Wertschätzung als Individuum und als Mitglied einer bestimmten sozialen Gruppe. Dazu gehört Selbstvertrauen und das Wissen um den eigenen Hintergrund. Auf dieser Basis ermöglichen wir Kindern, Erfahrungen mit Menschen zu machen, die anders aussehen und sich anders verhalten, so dass sie sich mit ihnen wohlfühlen und Empathie entwickeln können. Das kritische Denken von Kindern über Vorurteile, Einseitigkeit und Diskriminierung anzuregen heißt auch, sich darüber zu verständigen, was fair oder unfair ist.

Von da aus können Kinder ermutigt werden, sich aktiv und gemeinsam mit anderen gegen einseitige oder diskriminierende Verhaltensweisen zur Wehr zu setzen, die gegen

sie selbst oder andere gerichtet sind. Für Kinder kann dies z.B. die Arbeit mit Geschichten und Bildern - ob als Foto, Hörspiel oder Text - sein. Somit werden Kinder nicht so direkt und persönlich mit diesem Thema konfrontiert und sie werden zugleich emotional angesprochen.

Interkulturelles Lernen ist untrennbar mit interreligiösem Lernen verbunden. Zum interreligiösen Lernen gehört sowohl das Entdecken der eigenen religiösen Heimat als auch der Umgang mit religiös Fremdem.

Der kirchliche Jahreskreis bietet immer wieder Erfahrungsmöglichkeiten, um das typische einer Jahreszeit mit dem Leben in Beziehung zu bringen und menschliche Befindlichkeiten zu entdecken und bewusst werden zu lassen.

Das Begehen religiöser Feste und Feiern, wie z.B. Ostern, Stankt Martin und Nikolaus, gehört verlässlich in unseren Jahresablauf.

Die Kinder machen dadurch lebendige Erfahrungen, wie etwa Annahme, Liebe, Geborgenheit, Vertrauen, Verständnis, Vergebung und Neuanfang.

Unsere Einrichtung besuchen viele Kinder mit Migrationshintergrund. Aus diesem Grund ist der Schwerpunkt unseres Familienzentrums die interkulturelle Öffnung. Unter dem Motto "Wir öffnen unsere Türen" finden regelmäßig Angebote für alle Familien statt. Diese Angebote dienen dazu, um mögliche Hemmungen und Unsicherheiten im Bereich der unterschiedlichen Kulturen abzubauen. Durch die Zusammenarbeit verschiedener Kooperationspartner werden außerorts, sowie im Familienzentrum niederschwellige Angebote (Kochnachmittage, Bastelangebote, Deutschkurse etc.) geschaffen. Ein türkischer Sozialberater steht uns als Berater und Vermittler in Elterngesprächen und im Team zur Verfügung. Jährlicher Höhepunkt unserer Einrichtung ist das Moscheefest der türkisch- islamischen Gemeinde. Hier unterstützen wir bei einem Tag der offenen Tür die Gemeinde mit Angeboten für die Kinder.

Wir stellen Eltern Informationsflyer in unterschiedlicher Sprache zur Verfügung.

Eine Mitarbeiterin mit Migrationshintergrund ist Ansprechpartnerin für diesen Bereich.

Jedes Jahr findet zum neuen Kindergartenjahr ein Kennenlernfest für alle Familien des Kindergartens statt. Es dient dazu, dass die Familien untereinander Kontakt aufnehmen, sich austauschen und kennenlernen.

Literatur: Die Bildungsbereiche im Kindergarten, Sigrid Weber Kindergarten heute 9/2000 und 4/2012