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1.11 Betreuung der Kinder U3

Bildung, Erziehung und Betreuung der U3 Kinder

Die Aufnahme jüngerer Kinder in unsere Kindertageseinrichtung geschieht in dem Bewusstsein, dass dies dem Bedarf der Familien in unserem Einzugsgebiet entspricht. Gleichzeitig gilt es aber auch, die besonderen Bedürfnisse, die diese jüngeren Kinder haben, zu berücksichtigen und zu erfüllen; denn nie wieder lernt der Mensch so viel Grundlegendes wie in den ersten 3 Lebensjahren.

Bis zum dritten Lebensjahr werden die Grundsteine für die Lern- und Beziehungsfähigkeit des Menschen gelegt. In dieser Zeit entscheidet sich, wie Kinder ihre Anlagen nutzen, ob und wie sie mit Neugier und Zuversicht ihre Welt erobern und ihr Leben meistern. Vor allem im Austausch mit anderen Menschen gestaltet das Kind von Geburt an aktiv seine eigenen Lernprozesse. Bildung bei unter dreijährigen Kindern findet daher immer in einem partnerschaftlichen Zusammenwirken aller Beteiligten statt. Eltern, pädagogische Fachkräfte und die anderen Kinder in der Gruppe nehmen daran teil.

Die pädagogische Arbeit mit U3-Kindern unterscheidet sich deutlich von der „normalen“ Kindergartenarbeit. Die Gruppengröße und die dafür vorgesehene personelle Besetzung, welche sich nach den gesetzlichen Vorgaben und entsprechenden Vereinbarungen richtet, sind Grundvoraussetzung für eine bedürfnisorientierte Betreuung der Kinder unter drei. Die pädagogischen Fachkräfte spielen dabei eine große Rolle. Sie muss aktiv als Vorbild und Bindungsperson fungieren und reagieren. Ein wichtiger Handlungsaspekt hierbei ist, dass die Kinder auf beziehungsfähige, feinfühlige Fachkraft angewiesen sind, die ihnen beim Aufbau einer neu zu entwickelnden Bindung zur Verfügung stehen. Wichtig ist auch, dass die pädagogische Fachkraft den jüngeren Kindern durch Beziehungskontinuität und dem zugewandten Vertrauen Sicherheit und Verlässlichkeit bieten. Im Gegensatz zu den Regelkindergartenkindern sind Kinder unter drei Jahren aufgrund ihres Alters häufig noch nicht in der Lage, ihre Bedürfnisse sprachlich auszudrücken. Pädagogische Fachkräfte sind deshalb in der Betreuung jüngerer Kinder viel stärker gefordert. Sie müssen die emotionalen und kommunikativen Signale der Kinder intensiv beobachten, richtig interpretieren und ihnen die notwendige Zuwendung und Nähe zukommen lassen. Dies alles macht die Qualität der Beziehung zwischen dem Kind und der pädagogischen Fachkraft aus. Durch die liebevolle und verlässliche Zuwendung kann das Kleinkind Geborgenheit und Sicherheit aufbauen und mit Neugierde und Tatendrang seine Umwelt erforschen. Es entwickelt Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit (siehe auch Standard Interaktion Erzieher-Kind).

Je jünger ein Kind ist, umso mehr benötigt es feste Bezugspersonen, die sich in der Eingewöhnungszeit und später im Zusammenleben in der Gruppe intensiver um das jeweilige Kind kümmern, es wickeln, füttern, trösten.

Die Schaffung von sicheren Bindungsverhältnissen zwischen Kind, Eltern und pädagogischen Fachkräften durch eine gelungene Eingewöhnungsphase in die Tageseinrichtung ist die Voraussetzung für Bildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten jedes einzelnen Kindes, denn „Bindung ist Bildung“ (siehe auch Standard Eingewöhnung).

Eltern als Partner

Die Zusammenarbeit mit den Eltern der unter dreijährigen Kinder ist besonders wichtig. Schon bevor das Kind in den Kindergarten aufgenommen wird, findet ein erster Informationselternabend und ein Erstgespräch/Hausbesuch (siehe auch Standard Eingewöhnung U3) statt. Unser Bestreben ist ein enger Kontakt zu allen Eltern, um ein Vertrauensverhältnis zum Wohle des Kindes aufzubauen. Für die Eltern ist es wichtig zu wissen, dass es ihrem Kind in der Einrichtung gut geht und dass ihr Kind im Sinne frühkindlicher Bildung gefördert wird. Pädagogische Fachkräfte und Eltern stehen Tag für Tag in Kontakt. Beim morgendlichen Ankommen und beim nachmittäglichen Abholen kommt es zu regelmäßigen Tür- und Angelgesprächen. Diese Gespräche haben eine zentrale Bedeutung. Die Eltern übernehmen hier eine wichtige Vermittlerrolle. Sie sind diejenigen, die z. B. über die vergangene unruhige Nacht mit frühem Aufstehen erzählen. Umgekehrt wiederholt sich das Ganze beim Abholen. Nun ist die pädagogische Fachkraft die Vermittlerin. Sie berichtet den Eltern über das Kind, den Tag und seine Besonderheiten. Eltern wünschen detaillierte Informationen über verschiedene Abläufe. Sie möchten z. B. wissen: Was und wie viel hat mein Kind gegessen? Wann und wie lange hat es geschlafen? Wann wurde es zum letzten Mal gewickelt? Durch diesen mündlichen Informationsaustausch erhalten die Eltern einen Gesamtüberblick über den Tagesablauf ihres Kindes. Während der gesamten Zeit, die das Kind in unserer Einrichtung verbringt, bieten wir den Eltern regelmäßige „Themenabende/Nachmittage“ an. 

Neben den täglichen Tür- und Angelgesprächen besteht die Möglichkeit zu vereinbarten Elterngesprächen. Dort wird der momentane Entwicklungsstand des Kindes besprochen. Diese Elterngespräche finden immer zum Geburtstag des Kindes statt. Als Grundlage für diese Gespräche, dienen uns Beobachtungsbögen (Motorikplus, BaSik). Neben dem Stand der Entwicklung des Kindes helfen uns gezielte Beobachtungen, auch die Lerninteressen und Bildungsbemühungen des Kindes zu erkennen. Bei den U3 Kindern bewähren sich sogenannte Fotostrecken mit beilegendem Text. Hierfür nutzen wir die Portfolio-Arbeit. Die Kinder können sich darauf selbst wiedererkennen und besser an die jeweiligen Aktionen über die visuelle Stütze zurückerinnern. Gerade die Eltern der Kleinsten freuen sich über Fotolerngeschichten, da ihre Kinder eher wenig von den Erlebnissen in der Einrichtung berichten können. Die Eltern können so mehr an den Lernschritten ihres Kindes teilhaben. Für die pädagogischen Fachkräfte und Eltern sind die Beobachtungen der Kinder eine wichtige Grundlage der Arbeit mit dem Kind, doch auch das Kind erfährt dadurch, dass es selbst und sein Tun für wichtig befunden wird. Es erfährt Beachtung durch Beobachtung (siehe auch Standard Beobachtung/Dokumentation).

Struktur des Tages

Bei der Gestaltung des Tagesablaufes ist es uns wichtig, dass sich die Kinder frei entwickeln und individuell entfalten können. Wir ermöglichen den Kindern das Spielen in unterschiedlichen Alterskonstellationen. In selbst gewählten oder in angeleiteten Kleingruppen können sie mit altersgleichen, älteren oder jüngeren Spielpartnern unterschiedliche Lernerfahrungen machen. Auch bei dem alleinigen Spielen sammeln die Kinder Erfahrungen für sich.

Die U3-Kinder finden eine speziell auf ihre Bedürfnisse vorbereitete Umgebung vor, die sie auffordert und anregt, ihrem Tätigkeitsdrang in freier und selbständiger Weise nachzugehen. Im Spiel ist das Kind mit allen seinen Fähigkeiten aktiv. Es muss sich konzentrieren, es handelt und beobachtet die Wirkungen seines Handelns, es entdeckt Zusammenhänge, es erlebt ein Miteinander mit anderen Kindern und ist dadurch emotional und sozial gefordert. Spielen ist die kindliche Form der Auseinandersetzung mit dem Leben. Spiel ist die „Arbeit“ des Kindes (siehe auch Standard Spiel).

Der tägliche Morgenkreis ist ebenfalls in der U3–Gruppe in einer Kurz-Version vorhanden. Dieses Ritual stärkt das Gemeinschaftsgefühl der Kinder und sie empfinden sich als Teil der Gruppe.

Auch andere immer wiederkehrende Abläufe im Tagesgeschehen geben besonders den kleineren Kindern Sicherheit, Halt, Schutz und Orientierung und helfen, den Entscheidungsrahmen überschaubar zu halten. Wir bieten einen strukturierten Tagesablauf, der aber trotzdem flexibel gestaltet wird. So können gezielte Aktivitäten, wie Feste und Feiern (Geburtstage oder Feste nach Jahresthemen), in den Tagesablauf integriert werden.

Mahlzeiten und Schlafen

Weitere Rituale im Tagesablauf sind: Frühstück, Mittagessen, Schlafengehen, Wickeln etc.. Täglich findet ein gemeinsames Frühstück gegen 9 Uhr statt. So erfahren die Kleinsten eine Esskultur und lernen gemeinsam unterschiedliche Geschmacke kennen. Das gemeinsame Frühstück wird von einer pädagogischen Fachkraft vorbereitet. Die pädagogische Fachkraft begleitet die Kinder dabei. Die Kleinsten werden von der pädagogischen Fachkraft gefüttert und langsam an das selbstständige Essen herangeführt. Die Kinder erleben sich als große Tischgemeinschaft. 

Gelegentlich bieten wir den Kindern ein freies Frühstück an. Die Kinder haben so die Möglichkeit ihr eigenes Hungergefühl wahrzunehmen und/oder zu entwickeln. 

Das Mittagessen findet besonders für die U3-Kinder in ruhiger Atmosphäre statt. Die Nahrungsaufnahme (Frühstück/Mittagessen) befriedigt ein körperliches Grundbedürfnis, ist aber für die kleineren Kinder auch eng mit sinnlichen und kommunikativen Erfahrungen verbunden. Wir unterstützen die Kinder, möglichst früh selbständig zu sein; geben aber auch Hilfestellung.

Alle Kinder entscheiden selbst, wie viel und was sie essen möchten. Kein Kind muss aufessen (siehe auch Standard Mahlzeiten). Anschließend beginnt für die Kinder die „Mittagsruhe“; dazu gehen die Kinder in den nahegelegenen Ruheraum.

Es ist wichtig, dass die Kinder lernen, dass in einen Tagesablauf, der für die Kinder sehr anstrengend ist, auch eine Zeit des Ruhens bzw. Schlafens gehört. Alle Kinder, die schlafen, ziehen sich um oder erhalten die benötigte Hilfestellung einer pädagogischen Fachkraft.

Die Kinder legen sich im Schlaf- und Ruhezimmer in ihre „persönlichen“ eigenen Betten.  

Ein Kuscheltier, das immer in der Einrichtung bleiben kann, erleichtert das Einschlafen. Ein Einschlafritual, wie ein Schlaflied, eine kleine Geschichte und ein liebevolles „Einstreicheln“, sind fester Bestandteil beim Schlafengehen. Sollten die Kinder nicht schlafen können, dürfen sie nach einer gewissen Ruhezeit (ca. 30 Minuten) wieder aufstehen. Während der gesamten Schlafenszeit ist eine pädagogische Fachkraft im Raum oder ein Babyphone eingeschaltet. Danach können die Kinder ihren individuellen Vorstellungen und Bedürfnissen entsprechend tätig sein.

Sauberkeitserziehung

Im gesamten Tagesablauf ist die Wickelzeit eine Zeit der „Zweisamkeit“ zwischen Kind und pädagogischer Fachkraft. Die fürsorglichen und liebevollen Zuwendungen, wie Berührungen, der Blickkontakt und das Gespräch, sorgen für Wohlbefinden und stärken die positive Beziehung zur Bezugsperson. Die Pflegezeit erfordert Zeit und darf nicht mal eben zwischen Tür und Angel vollzogen werden.

Ein stimmiges Vertrauensverhältnis ist auch eine gute Voraussetzung für eine gelingende Sauberkeitserziehung. Die Erziehung zur Sauberkeit vollzieht sich behutsam und individuell und ist von der Bereitschaft des Kindes abhängig. Diese unterliegt einem genetischen Zeitplan und einem nicht beeinflussbaren Reifungsprozess. Es entspricht einer normalen Entwicklung, wenn Kinder zwischen dem 18. und 30. Lebensmonat erste Schritte in Richtung Sauberwerden zeigen. Zu diesem Zeitpunkt sind die Nervenbahnen soweit ausgereift, dass die physischen Voraussetzungen für ein Sauberwerden gegeben sind. Unabhängig davon, dass wir die Entwicklung der Blasen- und Darmkontrolle nicht beeinflussen können, ist es wichtig, dass dieser wichtige Schritt behutsam begleitet wird. Je nach individuellem Bedürfnis ist auch die Toilette kein Taburaum, sondern das Interesse des Kindes wird aufgegriffen und erhält Aufmerksamkeit. Durch Lob und Verstärkung beeinflussen wir diese Entwicklung und tragen dazu bei, dass der Weg zum Sauberwerden eine positive und stressfreie Erfahrung für das Kind darstellt.

Das selbstständige Händewaschen ist ebenfalls ein Bestandteil der Sauberkeitserziehung und wird von der pädagogischen Fachkraft begleitet.

Für die Sauberkeitserziehung räumen wir uns in unserem Alltag feste Phasen ein, z. B. vor und nach den Mahlzeiten, vor und nach dem Mittagsschlaf sowie nach Bedarf.

Raumgestaltung

Für jüngere Kinder ist es wichtig, eine feste Gruppe zu haben, die ihnen Orientierung und Sicherheit bietet. Unser Gruppenraum soll möglichst für alle Kinder ein Platz zum Wohlfühlen sein, eine sogenannte Basisstation, die den Kindern einen sicheren Rahmen bietet, alle Sinne anspricht und entfalten lässt und die Möglichkeit gibt, den eigenen Körper zu entdecken und zu erleben. Im Gruppenraum gibt es für die kleineren Kinder Materialien, mit denen sie ihre Umwelt „begreifen“ können, Materialien zum Ein- und Ausräumen, zum Hochheben, zum Tragen, zum Ziehen, zum Rollen, zum Verstecken und Wiederfinden. Das sind gängiges altersangemessenes Spielmaterial, normale Alltagsgegenstände und Naturmaterialien. Diese sind in Greifhöhe der Kinder untergebracht. In regelmäßigen Abständen und nach Interessen der Kinder wird das Spielmaterial ausgetauscht, um neue Anreize zu schaffen.

Die Spielangebote sind überschaubar und speziell auf die Bedürfnisse der Kinder abgestimmt. Statt viel Spielzeug möchten wir den Kindern „Zeug zum Spielen“ bieten. Die Gestaltung des Raumes soll die Kinder nicht nur zum aktiven Handeln auffordern, sondern ihnen auch die Möglichkeit bieten, ihre motorischen Grundfähigkeiten weiter zu entwickeln. Hierfür nutzen wir bei Bedarf auch die Turnhalle. Genügend freie Flächen bieten ausreichend Platz zum Bewegen, Klettern, Laufen, Hüpfen, Springen und Rennen. Selbst das Mobiliar im Gruppenraum kann zur Bewegungsbaustelle werden (Stühle, Tische zum Klettern, Matratzen zum Hüpfen). Spielmaterial, wie Bälle, Rutschautos sowie gemeinsame Spiele, Kreisspiele und Tänze, fordern zur Bewegung auf.

Kinder, die nach aktivem Tun das Bedürfnis nach Ruhe und Entspannung haben, genießen die Rückzugsmöglichkeit in unserem "kleinen Raum". Gemütliche Kissen, Decken, Tücher und Matratzen bieten den Kindern einen kleinen Platz zum Ausruhen. Ebenso genießen die Kleinen den Aufenthalt in der Leseecke. Gemeinsam mit anderen, aber auch alleine besteht dort die Möglichkeit, in Ruhe Bilderbücher anzuschauen oder einfach nur zu träumen und das Geschehen im Gruppenraum zu beobachten.

In unserem Rollenspielbereich ahmen U3-Kinder häufig Alltagssituationen nach, spielen „Familie“, verkleiden sich, gehen „einkaufen“, kochen, backen und versorgen Kuscheltiere und Puppen.

Großflächige Teppiche bieten genügend Fläche zum Bauen und Konstruieren. Autos und Fahrzeuge zum Schieben und Rollen, Steckmaterialien wie Ringpyramiden oder Magnetsteine fordern Kinder zum Gestalten auf.

Der Waschraum bietet den Kindern viele Möglichkeiten, Sinneserfahrungen mit dem Element Wasser zu erleben. Hier kann geschüttet, gegossen, gematscht und geplanscht werden. Für jedes Wickelkind ist eine Schublade mit entsprechenden Utensilien, wie z. B. Wechselwäsche, Feuchttücher, Wickelunterlagen, Windeln etc., vorhanden. Das Wickeln und der Toilettengang müssen nicht hinter verschlossenen Türen stattfinden. Wenn die Kinder möchten, dürfen sie sich beim Wickeln Gesellschaft leisten. Ein innerhalb des Gruppenraums fest integrierter Essplatz ist den Kindern während des gesamten Tagesablaufes frei zugänglich. Die Kinder nehmen dort das gemeinsame Frühstück, sowie das gemeinsame Mittagessen ein.

Wenn das Vertrauensverhältnis zur pädagogischen Fachkraft, zur Gruppe, zur Umgebung und zu sich selber gefestigt ist, dürfen die Kinder im Flurbereich oder in den anderen Gruppen ihrem freien Spiel nachgehen.