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1.10 Beobachtung und Dokumentation von Entwicklungs- und Bildungsprozessen

Beobachtungen und Dokumentation von Entwicklungs- und Bildungsprozessen

Bildungsarbeit wird auf der Grundlage von Beobachtungen geplant. So kann festgestellt werden, was Kindern wichtig ist, welche Entwicklungsschritte sie gerade gehen und welches Bildungsinteresse sie gerade verfolgen. Jedes Kind hat seinen eigenen, unverwechselbaren Weg der Entwicklung und des Lernens. Die Entwicklungs- und Lernschritte machen wir für Kinder, Erziehungsberechtigte und Fachkräfte mit Hilfe bestimmter Beobachtungs- und Dokumentationsverfahren sichtbar. Die aktive Teilnahme der Erziehungsberechtigte ist möglich und erwünscht.

Alle Mitarbeiter/innen unserer Einrichtung bilden sich regelmäßig und umfassend zum Thema frühkindliche Bildungsprozesse fort, um Lernprozesse wahrzunehmen und transparent zu machen. 

Wir unterscheiden grundsätzlich zwei verschiedene Bereiche der Beobachtung und Dokumentation: Verfahren zur Einordnung des Entwicklungsstandes und Verfahren zur Wahrnehmung von individuellen Bildungsprozessen.

Beobachtung und Dokumentation zur kindlichen Entwicklung

Um kindliche Entwicklungsprozesse zu dokumentieren, nutzen wir den Sprachbogen BaSik und den Motorikplus-Bogen von Renate Zimmer. Diese geben Auskunft über den Entwicklungsstand von Kindern unter, sowie über drei Jahren in den Bereichen: Grob- und Feinmotorik, Sprachentwicklung, kognitive Entwicklung, sensorischen Kompetenzen und sozialen- und emotionalen Kompetenzen. (MU2 & MU3) Diese Verfahren zur kontinuierlichen Beobachtung und Dokumentation sind begleitend im Alltag. Rund um den Geburtstag des Kindes werden die Bögen regelmäßig überarbeitet, um den Entwicklungsstand jährlich zu erfassen.

Beobachtungen und Dokumentationen zu kindlichen Bildungsprozessen

Das Portfolio

Das Portfolio erzählt die Geschichte des Aufwachsens jedes einzelnen Kindes der Einrichtung. Im Kindergarten-Portfolio wird alles gesammelt, was die Entwicklung des Kindes dokumentieren kann. (Lernerfolge, eigenständige Zielsetzungen, Beobachtungen, Fotos aus dem Kindergartenalltag etc.). Jedes Kind bringt beim Eintritt in den Kindergarten einen individuellen Ordner mit. Dieser befindet sich in einem für das Kind frei zugänglichen Schrank im Gruppenraum. Jedes Kind bekommt ein von uns vorgefertigtes Buch. Dieses wird gemeinsam mit den Erziehungsberechtigten zu Hause fertig gestaltet. Durch Fotos ihrer Familienmitglieder wird den Kindern die Eingewöhnung erleichtert

Ihr Kind alleine kann bestimmen, wer in den Portfolio-Ordner hineinschauen darf. Auch mit welchen Inhalten die Ordner bestückt werden, liegt allein in der Verantwortung Ihres Kindes.

Alle Kinder haben die Möglichkeit, ihre für sie wichtigsten Dokumentationsblätter (selbst- und frei gestaltete Bilder, projekt- und aktionsorientierte Gestaltungen usw.) mit Unterstützung abzuheften, zu beschriften und dokumentieren zu lassen.

Besondere Aktionen wie z. B. Waldtage, Elternnachmittage oder ähnliches werden bei jedem Kind mit Fotos und einer kleinen Geschichte hinzugefügt. Am Ende der Kindergartenzeit wird dem Kind in einem feierlichen Rahmen das Portfolio überreicht. In dem Portfolio-Ordner werden außerdem die Bildungs- und Lerngeschichten abgeheftet.

Bildungs- und Lerngeschichten

Beim Einsatz der Bildungs- und Lerngeschichten geht es darum, Kindern ihre Interessen, Fähigkeiten und Lernfortschritte aufzuzeigen. Alle Erziehungsberechtigen werden innerhalb eines Informationsgespräches vor dem Kindergarteneintritt über diese Dokumentationsform inhaltlich und organisatorisch informiert.

Insgesamt werden in unserer Einrichtung jährlich ein bis zwei Bildungs- und Lerngeschichten von einer pädagogischen Fachkraft geschrieben. Die pädagogische Fachkraft informiert Ihr Kind über die Beobachtung des Spieles Ihres Kindes. Resultierend aus der jeweilig einzelnen Beobachtung erfolgt die Auswertung der Lerndispositionen Ihres Kindes. Im Anschluss an die Beobachtungen erfolgt ein kollegialer Austausch. Durch diesen Austausch wird noch einmal bewusstgemacht, auf welchem Entwicklungstand Ihr Kind aktuell ist, was und wie es gerade lernt und was es noch lernen möchte (siehe MU1). Auf Grundlage der 3 Beobachtungen und des kollegialen Austausches wird daraufhin die Bildungs- und Lerngeschichte in Form eines Briefes an Ihr Kind geschrieben. 

Die Geschichte wird bestärkend und motivierend, wertschätzend und anerkennend, in alters- und kindgerechter Sprache verfasst und möglichst kurzgehalten. 
In einer ansprechenden Atmosphäre wird jedem Kind die Geschichte von der jeweiligen pädagogischen Fachkraft vorgelesen.

Weitere Dokumentationsformen

Dokumentationen von Angeboten und Projekten

Zu den verschiedenen Bildungsbereichen dokumentieren die Kinder eigenständig und in unterschiedlicher kreativer Vielfalt ihre Lernerfolge.

Innerhalb der Projekte, z. B. Sprachförderung, Schulkinderspiele usw., werden von den Kindern selbst gestaltete Hefter mit ihrem Namen vom Kindergarten gestellt. Hier bewahren Ihre Kinder Arbeitsblätter und freie Gestaltungen der Projektinhalte auf. Diese helfen Ihren Kindern, sich an bestimmte Erlebnisse zu erinnern und ihre Lernprozesse zu dokumentieren.

Am Ende der Kindergartenzeit wird jedem Kind in einem feierlichen Rahmen dieser Hefter mit dem Portfolio überreicht.

Tägliche Dokumentation

Um Ihre Kinder zu fördern und zu begleiten, sie aber auch zu schützen, werden von den päd. Fachkräften neben den oben beschriebenen Verfahren, individuelle Auffälligkeiten, Besonderheiten, Verletzungen etc. in schriftlicher Form im dafür vorgesehenen Dokumetationsheft, z. B. Gruppentagebuch, Kalender, Verbandsbuch etc. festgehalten. Diese Aufzeichnungen dienen dem fachlichen Austausch und bilden eine Grundlage für Elterngespräche.

Wanddokumentation

An den Wänden bzw. an verschiedenen festen Orten im Kindergarten werden die frei- und selbst gestalteten Bilder, verschiedene Projektgestaltungen, unterschiedliche kreative Konstruktionen usw. dokumentiert.

Dokumentationen von Kindeswohlgefährdungen nach § 8a SGB VIII

Im Fall einer vermuteten Kindeswohlgefährdung dokumentieren wir Auffälligkeiten und führen eine Analyse der Situation mit Hilfe von Risikoeinschätzbögen durch (siehe auch org. Prozesse 5).

Mitgeltende Unterlagen (einzusehen im Kindergarten):

MU1 "Grenzsteinen der Entwicklung"

MU2 BaSik

MU4 MOTORIKplus