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1.09 Teilhabe von Kindern an Entscheidungen

Partizipation

Teilhabe von Kindern in der Kindertageeinrichtung

Partizipation heißt, Entscheidungen, die das eigene Leben und das Leben in der Gemeinschaft betreffen, zu teilen und gemeinsam Lösungen für Probleme und eigene Lernstrategien zu entwickeln.

Wenn Kinder frühzeitig demokratisch beteiligt werden, wenn ihre Meinung gefragt ist und sie die Möglichkeit haben, sich einzubringen, sind sie selbst auch in der Lage, andere Ideen zu respektieren und Rücksicht zu nehmen. Sie bekommen die nötige Resilienz zum Leben. Die Grundhaltung für partizipative Prozesse in unserer Einrichtung ist, die Kinder als Experten in eigener Sache zu sehen. Das bedeutet für uns Erwachsene, auf einen Teil der Macht zu verzichten. Das Mitwirken der Kinder darf keiner Beliebigkeit unterliegen, die mal zulässt und mal nicht, sondern ist Bestandteil des pädagogischen Konzeptes.

Es geht in Partizipationsprozessen nicht um das Bestreben, alle Wünsche der Kinder zu erfüllen, sondern darum, gemeinsam Lösungen zu finden. Es geht nicht um das Vermitteln von Wissen, sondern um das Entwickeln einer Haltung im gemeinsamen Zusammenleben und damit um die Akzeptanz des Kindes als aktiven, gleichwertigen Partner, wobei sich Erwachsener und Kind durch ihre Erfahrungen und ihr Wissen unterscheiden. Grundlage für unsere Kindertageseinrichtung sind die UN-Kinderrechte und das Kinderbildungsgesetz NRW. Die Kinder müssen verstehen, worum es bei den Verfahren, Projekten oder Konflikten geht, wozu sie dienen und welche Rolle sie darin spielen. Die Machtverhältnisse und Entscheidungsstrukturen müssen daher transparent sein. Kinder sollen so früh wie möglich in alle Initiativen einbezogen werden, d.h. auch schon für Säuglinge und Kleinkinder müssen die Handlungen des Erwachsenen einschätz- und vorhersehbar sein.

Alle Kinder werden, ungeachtet ihres Alters, ihrer Situation, ihrer ethnischen Zugehörigkeit, ihrer Fähigkeiten oder anderer Faktoren mit demselben Respekt behandelt. Grundregeln werden zu Beginn mit allen Kindern zusammen aufgestellt oder erklärt. Kinder haben Anspruch darauf, dass ihre Meinungen und ihre Erfahrungen respektiert werden. Daher ist Partizipation für Kinder immer freiwillig. Sie haben letztlich auch das Recht, in jeder Phase aussteigen zu dürfen und sich vom Erwachsenen leiten zu lassen. Auf diese Grundannahmen stützt sich das partizipatorische Verhalten der Erzieherinnen in unserer Einrichtung.

Dazu gehört für uns:

Ein grundsätzlich positives Menschenbild:
Wir achten das Kind als aktiven Konstrukteur seiner Entwicklung. Die Ethik und Kultur der Kinder wird von den Erzieherinnen geachtet und wertgeschätzt. Wir nehmen Rücksicht auf die Bedürfnisse der Kinder, die auf der Kultur des Kindes basieren (Berücksichtigung der Nahrungsmittel der Kinder, Einsatz der Muttersprache etc.)

Die Beobachtung und Analyse:
Wir lassen uns auf die Themen des Kindes empathisch ein. Die Idee des Kindes wird nach Möglichkeit aufgegriffen, mit ihm weiterentwickelt und bei Bedarf dokumentiert. Dialogfähigkeit der Erzieherin: Wir animieren Kinder dazu sich mitzuteilen. „Hören“ auch was ein Kind körpersprachlich „sagt“ und achten auf unsere eigenen körpersprachlichen Signale. Dies bedeutet „ich nehme dich wahr auf deiner Augenhöhe“.

Die Bereitschaft zur eigenen Reflexion:
Unsere pädagogische Arbeit zielt darauf ab, den Kindern Demokratie und gegenseitige Akzeptanz zu vermitteln. Unter Beachtung des Entwicklungsstandes, geben wir den Kindern die Möglichkeit, für sich selbst Entscheidungen zu treffen. Die Übermittagskinder haben die Möglichkeit die Essenswahl mit auszusuchen. Sie entscheiden selber mit wem, wie lange und was sie spielen. Wie das Portfolio gestaltet wird, ob eine Dokumentation stattfindet und wer sie einsehen darf entscheidet das Kind.  

Mut und Vertrauen in die Kinder:
Wir lassen uns auf offene Situationen ein. So dürfen Kleingruppen auf dem Flur und im Nebenraum allein und ohne Aufsicht der Erzieherinnen spielen. Die Interessen des Kindes gehen vor Tagesplanung und Angebot, wenn keine andere Absprache getroffen wurde. Übernahme von Verantwortung: Wir vertreten auch gegenüber Öffentlichkeit/Träger/Eltern/Medien die Position der partizipativen Pädagogik. Die Erzieherin behält die Verantwortung der Aufsicht auch über die Kleingruppen, die sich in einem Raum oder draußen allein aufhalten. Sie kann Fehler zugeben, d.h. sich auch beim Kind, Eltern oder Kollegen entschuldigen, wenn sie sich falsch verhalten hat und kann schlichtende Gespräche führen.

Toleranz der Erzieherin:
Wir setzen uns für ein gleichberechtigtes, partnerschaftliches, gewaltfreies Miteinander, insbesondere der Geschlechter untereinander ein. Wir empfangen jedes Kind und seine Eltern mit gleicher Freundlichkeit und Verständnis (siehe auch Standard Inklusion). Der Diskurs ist ein wichtiges Übungsfeld für die aktive Teilhabe von Kindern in der Kindertageseinrichtung.

Die didaktische Umsetzung der Mitbestimmung findet sich in unserer Einrichtung in folgenden Formen:

  1. Kinderkonferenz: In Morgen- oder Stuhlkreisen werden Befragungen, bzw. Themen durchgeführt und aufgegriffen. Inhalte der Konferenzen sind z.B.: Was gefällt uns, was nicht, welche Interessen können in Projekten verfolgt werden, welche Aktivitäten können innerhalb der Projekte realisiert werden? Es gilt herauszufinden: Welche Interessen haben die Kinder gerade, was bewegt sie, womit möchten Sie sich gerne beschäftigen? Die Ideen und Vorschläge der Kinder werden von den Erzieherinnen aufgenommen und schriftlich festgehalten. Hier geht es darum, z.B. ähnliche Interessen mehrerer Kinder zu erkennen, Themen zu bündeln oder den Bildungsbereichen zuzuordnen.

  2. Grenzsetzung/Auseinandersetzungen und Konflikte Mitspracherecht haben die Kinder in unserer Einrichtung bei Entscheidungen und Regelungen im Alltag, nicht bei moralischen Regeln. Moralische Regeln beziehen wir auf die Rechte des Mitmenschen, die nicht antastbar sind. Innerhalb des Aufwachsens gibt es für Kinder immer wieder kritische Situationen, in denen sie zur Korrektur ihres Verhaltens aufgefordert werden müssen und Orientierung brauchen. Sie neigen zu Grenzüberschreitungen und erproben dabei ihre Möglichkeiten. Sie brauchen in solchen Situationen eindeutige Reaktionen durch Erwachsene oder andere Kinder. Ein solches Verhalten geht über das emotionale Reagieren hinaus und erfordert Grenzsetzung, d.h. die Nichtbeachtung gesellschaftlicher Regeln und Vereinbarungen. Sie ist nötig als bewusstes aktives Tun, wenn Kinder durch ihre Spontaneität oder auch durch überlegte Absichten sich oder andere gefährden oder zerstörerisch sind oder in die Rechte anderer eingreifen. Es wird aber niemals in der Ausdrucksweise der Erzieherin die Person des Kindes abgelehnt, sondern immer nur das nicht zu akzeptierende Verhalten des Kindes. Obwohl diese moralischen Regeln nicht verhandelbar sind, beziehen wir immer die beteiligten Kinder mit ein, erörtern die Regeln mit ihnen im Diskurs und zeitnah.

  3. Abschlusskreis/Stuhlkreis
    Der Abschlusskreis dient den Kindern zum Verständnis der Tagesstruktur, er beendet den Vormittag. Im Kreis dürfen sich Kinder und Erzieher Spiele, Fingerspiele, Geschichten und Lieder wünschen.