1.08 Form und Bedeutung der Projektarbeit in der Kita
Projektarbeit
In der Kindertageseinrichtung bezeichnen wir mit Projektarbeit ein geplantes, konkretes Lernunternehmen, das unter einer bestimmten Thematik steht, längere Zeit dauert und meist in kleineren Gruppen durchgeführt wird.
Lernen im Projekt ist forschendes, entdeckendes und ganzheitliches Lernen mit Körper, Geist und Seele. Das Ausprobieren, Experimentieren und die handelnde Auseinandersetzung stehen im Vordergrund. Den Kindern werden Erfahrungen nicht vermittelt, sondern sie gewinnen sie im eigenen - wenn auch pädagogisch angeleiteten - Tun durch gezieltes Erkunden und Erproben.
Das Projektthema richtet sich in erster Linie nach den Bedürfnissen und Interessen der Kinder. Unsere Aufgabe besteht darin, die Kinder bei ihrer Auseinandersetzung mit der Welt zu begleiten und zu unterstützen.
Ziele von Projektarbeit
Die aktive Beteiligung der Kinder bei der Projektarbeit bedeutet, dass sie Verantwortung für sich und andere übernehmen. Sie entwickeln eine eigene Meinung und setzen sich mit der Meinung anderer auseinander. Sie müssen selbst nachdenken, Lösungen entwickeln und eigene Interessen und Sichtweisen vertreten. Die Kinder entwickeln Teamfähigkeit, indem sie Gesprächsregeln kennenlernen und stärken durch das Formulieren eigener Interessen ihre Sprachkompetenz.
Dies sind Basiskompetenzen zur Vorbereitung auf das Leben in einer Demokratie.
Die Rolle der Erzieherin
Wir achten und wertschätzen die Eigenaktivität der Kinder und schaffen Rahmenbedingungen, die es den Kindern leicht machen, Vertrauen zu sich selbst und zu den Erwachsenen als Unterstützer zu haben. Wir fördern zudem die Interaktions- und Beziehungsgestaltung der Kinder untereinander. Gezielt beobachten wir das Verhalten der Kinder, um herauszufinden, welche Unterstützung angemessen ist.
Bei der Projektarbeit sind wir nicht „Experten“, sondern nehmen selbst eine fragende Rolle ein. Wir schlagen Aktivitäten vor, gestalten die Umwelt der Kinder (legen z.B. projektbezogene Materialien und Medien aus), beobachten und regen zum Hinterfragen von Erfahrungen an.
Unser Ziel ist es, die Kinder zu verstehen und ihre Bedürfnisse und Interessen zu erkennen. Projekte leben davon, dass die Ideen von den Kindern kommen und weitgehend von ihnen entwickelt und gestaltet werden. Die Pädagogin ist hier nicht Ideengeberin, sondern unterstützt die Kinder und bietet dort Hilfe an, wo sie erwünscht ist.
Projektarbeit setzt gute Teamarbeit voraus
In Projekten findet über einen längeren Zeitraum eine Auseinandersetzung zu einem bestimmten Thema statt. Daher bringt sich das gesamte Team in die Projektarbeit mit ein.
In den Teambesprechungen werden die anliegenden Aktivitäten in der Durchführungsphase besprochen und ggf. geplant.
Planung und Durchführung von Projekten
In regelmäßig stattfindenden Teamsitzungen werden von den Erzieherinnen Vorschläge für Projektthemen gemacht. Diese Themen stammen aus den unterschiedlichsten Bereichen: Jahreszeiten, Interessensgebiete von Kindern, Feste und Feiern, aktuelle Anlässe usw.
Passend zu den jeweiligen Bildungsbereichen werden altersgerechte Angebote und Aktivitäten ausgesucht, die die Kinder entsprechend ihres Bildungsstandes fördern.
Auf Gruppenebene hat jede Gruppe festgelegte Tage, an denen Inhalte der Bildungsbereiche vermittelt werden. Jede Erzieherin hat mehrere Schwerpunkte aus den Bildungsbereichen, die sie mit den Kindern gemeinsam an den jeweiligen Tagen erarbeitet. Hierbei legen wir Wert darauf, dass Ideen und Vorschläge der Kinder aufgegriffen und umgesetzt werden.
Es ist aber auch möglich, mit den Kindern geplant zu einem neuen Projektthema zu kommen (MU1). Dazu werden mit den Kindern im Stuhlkreis, in der Kinderkonferenz, in kleinen Gruppen und auch einzeln, Befragungen durchgeführt. Es gilt herauszufinden: Welche Interessen haben die Kinder gerade, was bewegt sie, womit möchten Sie sich gerne beschäftigen?
Die Ideen und Vorschläge der Kinder werden von den Erzieherinnen aufgenommen und schriftlich festgehalten. Hier geht es darum, z.B. ähnliche Interessen mehrerer Kinder zu erkennen, Themen zu bündeln oder den Bildungsbereichen zuzuordnen.
Die Erzieherinnen haben selbst auch die Möglichkeit, Aktivitäten, Ideen und Impulse (z.B. Lieder, Bewegungsangebote, Kreatives) ins Projekt einzubringen.
In dieser Projektphase wird ausschließlich in Gesprächsrunden gemeinsam mit den Kindern das anstehende Projekt geplant.
Das Projekt endet nach Möglichkeit mit einem Höhepunkt. Dafür bieten sich verschiedene Möglichkeiten an, z.B. ein großes Abschlussfest, eine Präsentation der Ergebnisse für die Eltern oder ein besonderes Essen.
Dokumentation
Über Collagen, Gemeinschaftsbilder oder einzelne Werke im gesamten Kindergarten freuen sich viele an der Kita-Arbeit interessierte Menschen und natürlich die Kinder. Sie haben für alle am Projekt Beteiligten einen wunderbaren Erinnerungswert.
Das Projekt und einzelne Arbeitsergebnisse fortlaufend zu dokumentieren hat den Sinn, dass der Prozess immer verfolgt werden kann und nicht nur ein Endergebnis sichtbar wird. So wird deutlich, dass der Weg wichtig ist und nicht nur das Endprodukt.
In den Portfolios der beteiligten Kinder werden persönliche Ergebnisse, Berichte und Fotos von Aktivitäten mit den Kindern festgehalten. Dabei steht auch hier nicht das Produkt im Vordergrund, sondern der Prozess, die Auseinandersetzung der Kinder mit einem Thema (siehe auch Prozess 10).
Mitgeltende Unterlagen (einzusehen im Kindergarten):
- Planungsschema Projektarbeit für altersgemischte Gruppen