1.05 Aufbau und Bedeutung der Wechselbeziehung zwischen Erzieher*in und Kind
Erzieher-Kind-Interaktion
Der Interaktion (Wechselbeziehung) zwischen Erzieher und Kind, die in den letzten Jahren immer mehr in den Fokus der Forschung geraten ist, weisen wir der pädagogischen Arbeit in unserer Einrichtung eine grundlegende Bedeutung zu. Eine gelungene Interaktion prägt die Qualität der pädagogischen Arbeit. Sie ist von Bedeutung für die Sozialisation und Individuation des Kindes. Auch Bildungsprozesse erfolgen nur in Interaktion mit anderen. Die Interaktion muss von Wertschätzung und Respekt geprägt sein, um eine liebevolle, enge Bindung zu begründen.
Die Atmosphäre in unserer Einrichtung ist von Akzeptanz, Offenheit, Vertrauen und Freundlichkeit gekennzeichnet. Wichtig ist uns, entsprechende Rahmenbedingungen für eine gelungene Interaktion zu schaffen. So ist es uns möglich, das Kind in seinem Lernen zu begleiten und zu unterstützen.
Voraussetzung für eine gelungene Interaktion ist die Dialog- und Beteiligungsbereitschaft der Erzieherinnen. Diese signalisieren wir dem Kind schon beim morgendlichen Eintreffen, indem wir es individuell begrüßen, z.B. mit Handschlag, einem Zuzwinkern, einem kurzen Gespräch. Auch im Laufe des Tages zeigen wir Gesprächsbereitschaft durch sprachliche, aber auch nicht sprachliche Signale, wie Blickkontakte und Gesten. Wir zeigen Wertschätzung und Interesse für alles, was das Kind beschäftigt und gehen auf seine Wünsche und Bedürfnisse ein. Im Laufe der Woche achten wir darauf, mit allen Kindern in engere Interaktion getreten zu sein. Bei allen Dialogen ist uns wichtig, uns ganz auf das Kind einzulassen und dem Kind das Gefühl zu geben, dass es mit seinen sprachlichen Äußerungen, Gefühlen und Ausdrucksformen respektiert wird. Wir zeigen dies, indem wir auf Augenhöhe mit dem Kind sprechen, es ausreden lassen, ihm Zeit geben und es gegebenenfalls respektvoll verbessern.
Vor allem U3-Kinder benötigen unsere ganze Aufmerksamkeit. Wir richten es nach Möglichkeit so ein, dass insbesondere Pflegesituationen, wie z.B. das Wickeln, zu einer Zeit der intensiven, möglichst ungestörten Interaktion werden. Wir begleiten unser Tun in der Wickelsituation stets sprachlich, indem wir unsere Handlungen ankündigen und benennen. So entsteht individuelle Sprachförderung in der Eins-zu-Eins-Situation.
Da die Kompetenz der Erzieherin in der Dialog- und Beteiligungsbereitschaft von großer Bedeutung ist, führen wir zweimal im Jahr eine kollegiale Beobachtung durch. Hierbei beobachten jeweils 2 Erzieherinnen gegenseitig ihre Kommunikation mit den Kindern in jeweils zwei unterschiedlichen Situationen. Im Vorfeld wählt die zu beobachtende Erzieherin Schwerpunkte aus, die ihre Kollegin beobachten soll (MU 1, MU 2).
Nach einem anschließenden Feedbackgespräch setzt sich jede Erzieherin auf dieser Grundlage ein persönliches Ziel, welche Aspekte sie in ihrer Kommunikation mit den Kindern verändern und verbessern möchte. Bei Bedarf wird in der nächsten Teamsitzung des Gesamtteams darüber gesprochen und daraus ein Ziel für die ganze Einrichtung erarbeitet
Ein weiterer Punkt für eine gelungene Interaktion ist die (Alltags-)Beobachtung. Sie hilft uns, Interessen und Bedürfnisse des einzelnen Kindes zu erkennen und es angemessen in seinem Lernen zu unterstützen und zu begleiten. Hier ist es uns zum einen wichtig, das Kind im Laufe des Vormittags im Blick zu haben und wahrzunehmen, was es indirekt oder direkt über sich, seine Erlebnisse und Gedanken mitteilt und wie es im sozialen Umfeld eingebunden ist und handelt.
Unter Zuhilfenahme dieser Beobachtungen ist uns ein Austausch im Team wichtig, da sie oft den Blick auf das Kind erweitern und ihn eventuell verändern.
Auf der Grundlage der Beobachtungen und mit Hilfe unserer Dialog- und Beteiligungsbereitschaft setzen wir aktiv Impulse, um dadurch eine anregende und herausfordernde Lernumwelt für das Kind zu schaffen und Bildungsprozesse in Gang zu setzen. Dabei reagieren wir - in angemessener Form - auf die Kinder, bringen aber auch unser Wissen und unsere Erfahrungen aktiv ein. Die Impulse können sehr vielfältig sein, wie z.B. ein Aufmerksam machen auf Dinge in der Umgebung, eine Bereicherung durch ein Spielmaterial, ein Bilderbuch, ein Gespräch.
Unsere Beobachtungen nehmen wir auch als Grundlage für die Planung einer gezielten Aktivität für eine bestimmte Zielgruppe, um die Entwicklung zu fördern; Kinder dabei zu unterstützen, noch nicht vorhandene Fähigkeiten zu entwickeln oder besondere Fähigkeiten und Interessen weiter zu fördern.
Im Freispiel machen wir den Kindern Angebote, an denen sie teilnehmen können. Beschäftigungen bieten wir an, jedoch ohne den Zwang auszuüben, daran teilnehmen zu müssen.
Mitgeltende Unterlagen (einzusehen im Kindergarten):
MU1 Arbeitsblatt kollegiale Beobachtung
MU2 Formblatt Beobachtung